Hugo Markus Ganz wurde 1862 in Mainz als Sohn von Moritz und Karoline Ganz geboren. Wie sein jüngerer Bruder Alfred wuchs er in einer Familie auf, die eine koschere Metzgerei betrieb. Hugo schlug jedoch einen gänzlich anderen Weg ein als sein Bruder: Er widmete sich der Bildung und wurde zunächst Pädagoge, bevor er sich dem Journalismus zuwandte.
Als Journalist entwickelte sich Hugo Ganz zu einem der angesehensten deutschsprachigen Kenner Osteuropas. Er schrieb für die Frankfurter Zeitung, eine der bedeutendsten liberalen Zeitungen des Deutschen Kaiserreichs, sowie für die Neue Zürcher Zeitung. Seine Artikel und Bücher über das Russische Reich, die Türkei und den Balkan galten als Standardwerke ihrer Zeit.
1904 unternahm Hugo zusammen mit seiner Frau eine ausgedehnte Reise durch das russische Zarenreich. Seine Eindrücke fasste er in dem vielbeachteten Buch zusammen, in dem er Russland als »ein Land mit 30 Millionen Gefangenen und einer Million Kerkermeistern« beschrieb. Selbst die persönliche Begegnung mit dem grossen Schriftsteller Leo Tolstoi konnte ihn nicht optimistischer für Russlands Zukunft stimmen.
Hugo Ganz war auch als Buchautor erfolgreich. Seine Werke über die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Osteuropa und im Osmanischen Reich fanden ein breites Publikum und beeinflussten die öffentliche Wahrnehmung dieser Regionen im deutschsprachigen Raum. Er verstarb 1922 und hinterliess ein beachtliches publizistisches Erbe.